Standpunkte und Ziele

Ich möchte weiterhin mit einem Stadtratsgremium zusammenarbeiten, welches intern grosse und kontroverse Diskussionen führt, nach aussen aber geschlossen und nach dem Kollegialitätsprinzip auftritt. Das verleiht die nötige Führungsstärke. Wer diese Voraussetzung erfüllt, ist im Stadtrat herzlich willkommen.

Verwaltungsintern können wir uns bezüglich Planung, Fristen, Federführungen, Schnittstellenbewirtschaftung noch verbessern. Wir müssen mit den vorhandenen Ressourcen die grösstmögliche Wirkung erzielen.

Der Ausbildung unserer Kaderleute und der Mitarbeitenden müssen wir noch grösseres Augenmerk schenken – ja, wir müssen diese forcieren. Die Mitarbeitenden sind unser wertvollstes Gut. Die Stadt Winterthur muss ein attraktiver Arbeitgeber sein.

Das grösste Ziel bezüglich Stadtpolizei ist das neue Polizeigebäude. Ich möchte es noch im Amt erleben, das "rote Band" durchzuschneiden. Der Standort neben dem Feuerwehrgebäude wäre ideal. Demnächst wird der Stadtrat die massgebliche Stossrichtung beschliessen müssen.

In den nächsten Jahren müssen diverse Verordnungen revidiert werden so zum Beispiel die Gebührenverordnung, die Taxiverordnung, die Marktverordnung, die allgemeine Polizeiverordnung.

Umwelt- und energiepolitisch wird das grösste Ziel die Umsetzung einer 2000-Watt / 1t-CO2-Gesellschaft sein. Klimaschutz ist ein Gebot der Stunde und Winterthur hat als Energiestadt mit Goldlabel eine grosse Verantwortung und will diese Auszeichnung erfolgreich bestätigen. Es gilt, jede erdenkliche Art erneuerbarer Energien zu fördern. Vor allem das überaus grosse Potential der Sonne muss genutzt werden. Verwaltungsintern, aber auch in der Privatwirtschaft kann punkto Energieeffizienz noch einiges herausgeholt werden.

Auch wenn der nahe Flughafen ein wichtiger Standortfaktor ist und wir auf die Arbeitsplätze angewiesen sind, müssen wir uns im Osten weiterhin gegen mehr Fluglärm wehren. Die Absicht der Zürcher Regierung und des Bundes, mit einem Pistenausbau ein Nord/Ostkonzept einzuführen, ist mit allen Mitteln zu bekämpfen. "Kein Pistenausbau" lautet die Zielsetzung der Behördeninitiative II, welche die Bevölkerung im Osten (und im Norden und im Westen) im nächsten Jahr an der Urne unterstützen muss.

In den nächsten Jahren gilt es, den öffentlichen Raum so zu bewirtschaften, dass ihn die ganze Bevölkerung sicher und sauber nutzen kann. Das heisst, wir müssen den Nutzerinnen und Nutzern Anstand und Respekt beibringen, Grundregeln des Zusammenlebens durchsetzen, den öffentlichen Raum kontrollieren und schnellere Verfahren bei Verstössen durchführen.

Die Hauptsorge der Stadt wird die Bewältigung des Verkehrs und der neue Finanzausgleich sein. Wir müssen in Zukunft zusammen mit dem Kanton Zürich das Gesamtverkehrskonzept erarbeiten und Lösungen suchen, die auch umgesetzt werden können. Wir brauchen einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs, damit das Umsteigen attraktiv ist und diejenigen, welche auf das Auto angewiesen sind, freie Fahrt haben. Staus schaden dem Image und sind für die Wirtschaft und die Umwelt eine grosse Belastung. Wir brauchen eine Entlastungsstrasse in Oberwinterthur, um das kantonale Zentrumsgebiet besser zu erschliessen.

Selbstverständlich müssen wir mit den Ressourcen sorgsam und sparsam umgehen. Wir haben dies mit zwei Sanierungsprogrammen in den letzten 6 Jahren bewiesen. Trotzdem kommen wir als urbanes Zentrum mit einer unterdurchschnittlichen Steuerkraft nicht ohne Mittel aus dem Finanzausgleich aus. Dabei gilt es, möglichst grosse Handlungsfreiheit zu gewinnen. Und wir müssen für Sparbemühungen belohnt und nicht bestraft werden.

Doch Sparbemühungen sind nicht einfach. Der Investitionsbedarf in der Stadt ist immens. Diesbezüglich gilt es, mit einer verbesserten Investitionsplanung die knappen Ressourcen sinnvoll und wirkungsvoll einzusetzen.

In einer wachsenden Stadt wird die Arbeit im Stadtkreis, im Quartier immer wichtiger. Diese Quartierarbeit ist zu verstärken. Früherkennung und –förderung kann im Quartier wirkungsvoller umgesetzt werden. Die soziale Kontrolle erlaubt eine Verbesserung der Einflussnahme auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen und die Betreuung der älteren Generation.

Ein persönliches Anliegen sind mir die Familien, die Vereine und die KMU-Betriebe. Sie sind für mich die wichtigsten Säulen unserer Gesellschaft.

Wir müssen die Familien stärken, damit sie in Eigenverantwortung den Alltag bestreiten können. Es gibt verschiedene Familienmodelle. Eine Auswahl muss möglich sein. Die Verantwortung der Eltern für ihre Kinder muss meines Erachtens aber klar verbessert werden. Der Staat soll nur dort eingreifen, wo Defizite bestehen.

Vereine wie Sport- oder Musikvereine leisten einen grossen Anteil an wertvoller Jugendarbeit. Sie tragen auch zur Integration und zur gesellschaftlichen Solidarität bei. Gegenseitige Unterstützung, Kameradschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl werden gestärkt. Kinder und Jugendliche werden sinnvoll beschäftigt und kommen nicht auf dumme Ideen. Wir müssen den Vereinen Sorge tragen.

Die KMU-Betriebe sind der tragende Wirtschaftsfaktor, nicht nur in unserer Stadt. Wir müssen einen intensiven Austausch mit der Wirtschaft pflegen. Müssen die Bedürfnisse kennen und die Voraussetzungen schaffen, dass die Wirtschaft florieren kann. Aber: Bei aller Gewerbe- und Wirtschaftsfreundlichkeit muss das Interesse der ganzen Stadt ebenfalls berücksichtigt werden.

Die Stadt Winterthur ist gut unterwegs. Bewohner- und Arbeitsplatzzuwachs, volkswirtschaftliche Studien, Bevölkerungs- und Mitarbeitendenbefragungen weisen den Erfolg aus. Im letzten Sommer zur Grossstadt geworden, müssen wir jetzt schon fast ein wenig bremsen. Die Bevölkerung will "mitgenommen" werden, die Infrastruktur, der öffentliche Verkehr, die Quartiere müssen auf die wachsende Stadt angepasst werden.

Wir sind gut unterwegs, aber noch nicht am Ziel. Ich will weiterhin mit anpacken und freue mich auf eine grosse Unterstützung aus der Bevölkerung.

Michael Künzle, Stadtrat